Interview mit dem Vorsitzenden der Wirtschaftsweisen: Digitalisierung erfordert mehr Arbeitszeitflexibilität


„Die Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft führt zu einem umfassenden Strukturwandel, den die Politik nach Kräften ermöglichen sollte, beispielsweise durch … die Sicherstellung eines flexiblen Arbeitsmarkts.“ Das fordert der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (Wirtschaftsweise) in seinem im November der Bundeskanzlerin Angela Merkel übergebenen Jahresgutachten 2017/2018. Darin empfehlen die Wissenschaftler auch eine Lockerung der Arbeitszeitregulierung und Ruhezeitregelung. In einem Interview mit Carsten Seim begründete Prof. Christoph M. Schmidt, Vorsitzender des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, der sogenannten „Wirtschaftsweisen, und Präsident des RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in Essen, diese Position. (Foto: SVR)

Prof. Christoph M. Schmidt: „Viele Unternehmen werden in der Zukunft immer mehr Wissensarbeiter in ihren Reihen haben. Junge, mobile Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit hoher Qualifikation werden sich ihr Wirkungsfeld frei aussuchen können. Unternehmen werden sie nur dann als Beschäftigte gewinnen können, wenn sie ihnen die Möglichkeit geben, ihre Arbeitszeit so flexibel zu gestalten, dass individuelle Wünsche und familiäre Anforderungen damit vereinbar sind. Angesichts der bald drohenden Fachkräfteengpässe … sind flexiblere gesetzliche Rahmenbedingungen unbedingt angezeigt.“

In ihrem Gutachten warnen die Wirtschaftsweisen vor einer „Überauslastung“ der Wirtschaft. Dazu ihr Vorsitzender Professor Schmidt im Gespräch mit Carsten Seim: „Die deutsche Volkswirtschaft wächst bereits seit einigen Jahren stärker als ihr Potenzial. Dies hat mittlerweile zur Folge, dass ihre Produktionskapazitäten überausgelastet sind.“ Der Sachverständigenrat warnt davor, „die aktuellen Wachstumsraten als langfristig gesichert anzusehen“. „Sie sind zumindest zum Teil lediglich Ausdruck der guten konjunkturellen Lage, die im Kern flüchtig ist“, so Professor Schmidt weiter. Die Wirtschaftspolitik sei „daher aufgefordert, finanzpolitische Solidität zu wahren und an der Verbesserung des Potenzialwachstums zu arbeiten“.

Das Gutachten im Internet: bit.ly/2AkZmnt

Der Wortlaut des Interviews mit Carsten Seim

Carsten Seim

Carsten Seim, Redaktionsbüro avaris | konzept

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