Interview mit Ulrich Reifenhäuser, Geschäftsführender Gesellschafter der Reifenhäuser GmbH & Co. KG Maschinenfabrik

Ulrich Reifenhäuser im Gespräch mit Carsten Seim und Leonie Schneider-Kuttig
Die Reifenhäuser-Gruppe beschäftigt weltweit 1500 Menschen. Knapp 1000 arbeiten im Stammhaus Troisdorf. In diesem Gespräch gab Ulrich Reifenhauser, der das Familienunternehmen mit seinen Brüdern Bernd und Klaus Reifenhäuser führt, ein klares Bekenntnis zum Standort Deutschland ab. Das Wichtigste sei eine gute Kommunikation in der Prozesskette, so Reifenhäuser. „Vom Auftragseingang über die Konstruktion, von der Arbeitsvorbereitung bis zur Fertigung und zum Vertrieb muss diese nahtlos sowie von gegenseitigem Verständnis, Fachwissen und umfassender Erfahrung geprägt sein. Das Endergebnis aus geformten Metall und Elektronik muss am Ende genau das sein, was der Kunde haben will.“ Dies erreiche man nur in „einer perfekt eingespielten Struktur, wie wir sie in Troisdorf haben“. „Die deutsche Kommunikationkette ist nach unseren Erfahrungen unverzichtbar“, betonte der Unternehmer im Gespräch mit Leonie Schneider-Kuttig und Carsten Seim. Schneider-Kuttig ist Vorstandsvorsitzende des Unternehmer-Clubs pro Troisdorf und Geschäftsführerin der Managementberatung LEO Consult.

Leonie Schneider-Kuttig: Die Reifenhäuser-Gruppe ist ein Familienunternehmen in dritter Generation. Worin unterscheiden sich Familienunternehmen aus Ihrer Sicht von Kapitalgesellschaften?

Das familiäre Gefühl macht den Unterschied: Wir führen diese Firma als Inhaber anders als beispielsweise die Verantwortlichen der Hüls AG dies seinerzeit in Troisdorf gemacht haben. Manager in Kapitalgesellschaften wechseln, und wenn ein neuer kommt, muss er vieles anders machen. Unser Unternehmen ist in dritter Generation inhabergeführt: Familie führt; wir denken in Generationen und nachhaltigen Kategorien. Natürlich müssen wir Geld verdienen. Aber bei uns steht nicht der Shareholder-Value  im Vordergrund, sondern das Fortbestehen des Unternehmens. Firmeninteresse geht stets vor Eigeninteresse. Nicht die Controller allein dürfen das Sagen haben, Bauchgefühl – und das ist typisch für Familienunternehmen – entscheidet.

Carsten Seim: Was macht aus Ihrer Sicht einen guten Unternehmer aus?

Ein guter Unternehmer sollte wissen und fühlen können, wo das eigene Unternehmen steht und was der Wettbewerb macht. Er muss Menschen suchen und finden können, die mindestens so gut sind, wie er selbst. Diese muss er in einer Art und Weise führen, dass sie mit sehr hoher Eigenständigkeit und sehr hohen Freiheitsgraden unternehmerisches Gefühl ausleben können. Gute Familienunternehmer führen im Alltag nicht selbst, sondern coachen ihre Führungskräfte, das zu tun. In kritischen Situationen müssen sie allerdings auch sehr schnell Richtungsentscheidungen treffen können.

Ulrich Reifenhäuser und Leonie Schneider-Kuttig. Foto: Carsten Seim

Das Leitmotiv dieses Unternehmer-Clubs lautet: „Vernetzt mehr erreichen.“ Wie wichtig ist Ihnen die Vernetzung vor Ort? Sie sind ja im Umfeld der Kunststoffindustrie mit Troisdorfer Namen wie Dynamit Nobel groß geworden. Wie wichtig ist Ihnen das heute?

Troisdorfs Kunststoff-Tradition ist mir sehr wichtig. Denn damit begann nach dem Krieg unser Aufstieg zum Weltmarktführer im Extruder-Bau. 1946 kam jemand aus dem Umfeld der DN zu meinem Vater Hans Reifenhäuser und sagte: „Herr Reifenhäuser, bauen Sie mir einen Extruder.“ Die Sache war in fünf Minuten abgemacht. Die erste Version 1947 funktionierte nicht so richtig. Die zweite leidlich. Und die dritte Variante lief weit besser, als der Kunde erwartet hatte. Von da an haben wir Extruder produziert. In den 50er-Jahren boomte der Kunststoff gewaltig! Zuvor hatte Reifenhäuser geliefert, was im Wiederaufbau nach dem Krieg gefragt war: zum Beispiel Ziegelpressen.

Die DN ist in Troisdorf Vergangenheit. Wie sehen Sie denn die Zukunft der Kunststoffindustrie am Standort vor allem auch als Arbeitgeber?

Knapp unter 1000 von gruppenweit 1500 Mitarbeitern arbeiten in Troisdorf. In der ersten Hälfte der 90er-Jahre hatten wir einmal 1200 Beschäftigte. Damals belief sich der Jahresumsatz auf rund 200 Millionen D-Mark. Im vergangenen Jahr waren es 500 Millionen Euro. Daran lässt sich die Dynamik, in der wir uns bewegen, ablesen. Hier haben sich moderne Fertigungsmethoden unter der Überschrift „Lean Production“ und auch Rationalisierung ausgewirkt. Die Firma Reifenhäuser ist heute eine andere als noch vor zehn Jahren. Wir werden in Troisdorf bleiben. Denn unsere Mitarbeiter hier sind unser wichtigstes Asset: Ihr Wissen und ihre Erfahrungen sind für uns unverzichtbar. 95 Prozent der Reifenhäuser-Wertschöpfung finden in Deutschland statt – und das soll auch so bleiben.

Viele Industrien sind mit ihrer Fertigung ins Ausland gegangen. Warum bleiben Sie am Hochlohn- und Hochabgabenstandort Deutschland?

Wir betreiben Spezialmaschinenbau und beschäftigen uns mit Einzelaufträgen. Hier erfüllen wir immer wieder neue spezielle Kundenwünsche. Das Wichtigste ist eine gute Kommunikation in der Prozesskette: Vom Auftragseingang über die Konstruktion, von der Arbeitsvorbereitung bis zur Fertigung und zum Vertrieb muss diese nahtlos sowie von gegenseitigem Verständnis, Fachwissen und umfassender Erfahrung geprägt sein. Das Endergebnis aus geformten Metall und Elektronik muss am Ende genau das sein, was der Kunde haben will. Das erreichen wir nur mit einer perfekt eingespielten Struktur, wie wir sie in Troisdorf haben. Die deutsche Kommunikationkette ist nach unseren Erfahrungen unverzichtbar. Wir hatten eine Zeitlang eine Produktion in Brasilien, die wir wieder geschlossen haben, weil das Management nicht funktionierte. Autoproduktion, also die Serienfertigung weitgehend identischer Produkte, funktioniert an vielen Stellen auf der Welt. Für das, was wir tun, brauchen wir eine gute – deutsche – Kommunikation. Sicher: Der Standort Deutschland ist teuer. Das können wir im internationalen Wettbewerb nur über eine hohe Produktivität ausgleichen.

Welche Wünsche hätten Sie an den Standort Troisdorf?

Als Unternehmen können wir uns im Wesentlichen nur selbst helfen. Da kann uns weder die Stadt, das Land noch der Bund helfen. Mein Wunsch an die Politik sind stabile Rahmenbedingungen. Ansonsten müssen wir unsere Prozesse und Produkte weiter optimieren, also selbst etwas tun.

Sie sind einst durch die Nähe zur DN groß geworden. Spielt das noch eine Rolle für Sie?

Wir haben noch einen kleineren Kunden auf dem DN-Campus. Alles andere ist weggebrochen. Unsere Exportquote liegt aktuell bei mehr als 90 Prozent. Natürlich soll und muss man im eigenen Vorgarten schöne Blumen stehen haben. Aber unsere Hauptkunden sitzen heute im Ausland. Moderne Kommunikationswege eröffnen neue Absatzmärkte. Es bleibt aber dabei: Troisdorf ist als Hauptstandort der Reifenhäuser-Gruppe gesetzt!

„Von einer auf die nächste Generation. Das ist unsere Mission“ – Sie werben in einem für unternationales Publikum gedrehten Imagefilm damit, ein generationenübergreifendes deutsches Familienunternehmen zu sein. Diese Unternehmensform ist in China und mit Abstrichen auch in Amerika kaum bekannt. Was versprechen Sie sich davon?

70 Prozent unserer Kunden kommen aus dem industriellen Mittelstand und sind ebenfalls Privatunternehmer. Oft steht auch hier eine Familie dahinter. „Made in Germany“ und „Made by Family“ sind von großem Vorteil – auch in China und Amerika. Der Maschinenbau in der Kunststofftechnik weltweit wird in den oberen beiden Dritteln der Pyramide von deutschen Unternehmen dominiert. Im Sockel tummeln sich auch Anbieter aus China und Indien mit sehr günstigen Nachbauten.  Der deutsche Kunststoff-Maschinenbau wird nach meiner Einschätzung technologisch weltweit Spitze bleiben.

Woran machen Sie diese Weltspitze denn konkret fest?

Zum einen technologisch, zum anderen aber auch am Umsatz. In beiden Bereichen ist Reifenhäuser über Jahre hinweg Weltmarktführer. Wir spüren natürlich in vielen Bereichen einen starken Wettbewerb. Wir sind innovativ und müssen das bleiben, um unsere Position zu halten. Auf der diesjährigen Kunststoffmesse K werden wir noch einmal einen wichtigen Technologieschritt nach vorn präsentieren – in der Blasfolientechnik, unserer wichtigsten Domäne. Wir halten hier eigene Patente.

Noch einmal zurück zur Vernetzung: Sie nennen sich „The Extrusioneers Network“ …

Wir haben sechs hoch spezialisierte Gesellschaften. Ob ich nun eine Monofilament-Anlage oder eine Spitzguss-Anlage vor mir habe: Es sind verwandte Technologiebereiche. Durch den Austausch der Spezialisten in diesen Business-Units entstehen auch wichtige Synergien.

Woher holen Sie sich Ihren Experten-Nachwuchs?

Wir haben sehr gute Kontakte zur RWTH in Aachen sowie anderen führenden Universitäten und beschäftigen inzwischen auch eine Reihe promovierte Mitarbeiter. Doktores gab es zu Zeiten meines Vaters hier noch nicht. Ich darf aber versichern: Unsere sehen weder elitär aus, noch verhalten sie sich so. Reifenhäuser hat insbesondere an der Technischen Hochschule in Aachen einen sehr guten Ruf. Sie ist die wichtigste deutsche Universität auf dem Feld der Kunststofftechnik.

Viele Unternehmen treibt die Sorge um, in Zukunft aus demografischen Gründen ihren Facharbeiternachwuchs nicht mehr decken zu Können. Finden Sie in Troisdorf genügend Bewerber?

Wir finden hier genügend Fachkräfte und sind zuversichtlich, auch in Zukunft genügend qualifizierte Mitarbeiter zu finden. Mittlerweile lassen wir Bewerbungen, professionell auswählen. Auch  unsere Ausbildungswerkstatt mit aktuell rund 40 Azubis ist weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Wir nehmen nicht nur Gymnasiasten, die sich ebenfalls in großer Zahl bei uns bewerben, sondern auch Hauptschul- und Realschulabsolventen. Eine Rolle für die rege Einsteigernachfrage spielt sicher auch unser guter Name.

F+E bei Reifenhäuser: Wie sind da aufgestellt?

Wir betreiben einerseits grundlegende Forschung. Anderseits: Vieles entsteht auch im Prozess. Wenn Kunden bestimmte Leistungen fordern, setzen sich unsere Leute daran und entwickeln Lösungen. Dadurch sind wir sehr innovativ, ohne dass sich dies mit einer F+E-Quote komplett abbilden ließe.

Im Mittelpunkt Ihrer Industrie steht Kunststoff. Darüber findet derzeit eine sehr intensive Ökologie-getriebene Diskussion statt. Wie kommentieren Sie das?

Natürlich gibt es zum Beispiel im Pazifik große Probleme mit Kunststoff. Diese kommen aber nicht aus unseren Mülltonnen. Ich wünsche mir in der Debatte um Kunststoff eine von zwei Seiten betriebene Aufklärung und mehr Objektivität. Wir haben zum einen eine verzerrte Sicht auf Kunststoff und zum anderen eine verbreitete Technikfeindlichkeit in Deutschland. Letztere ist eine Frage der Erziehung von Kindesbeinen an. Ähnlich verhält es sich mit der Debatte um das Freihandelsabkommen CETA. Wir exportieren mehr als 90 Prozent unserer Produktion und geben allein hier in Troisdorf fast 1000 Menschen eine Existenz damit. Natürlich ist es für uns und unsere Beschäftigten vorteilhaft, wenn Handelsbarrieren fallen!

Zurück zur Debatte um Kunststoff: Was kommt Ihnen hier zu kurz?

Die Tatsache, dass Kunststoff ein wunderbar recycelbarer Wertstoff ist. In Deutschland wird er zu mehr als 95 Prozent bereits wiederverwertet. Er liefert Energie in Müllverbrennungsanlagen, die sonst Öl oder Gas zuführen müssten, um die notwendige Hitze bei der Restmüllverbrennung aufrechtzuerhalten. Und er wird in zunehmendem Maß auch recycelt, um wieder neue Produkte daraus entstehen zu lassen. Kunststoff ist im Vergleich zu Glas wesentlich leichter und auch wesentlich leichter formbar. Die Vor- und Nachteile und auch die Recycelfähigkeit von Kunststoff müssen objektiv diskutiert werden.

Der Begriff „Industrie 4.0“ erlebt derzeit ein Hype. Wie sehen Sie das Thema bei Reifenhäuser?

Industrie 4.0 ist ein politisch gemachter Begriff. Es ist gemessen an den wirklichen industriellen Revolutionen, die wir seit dem 19. Jahrhundert erlebt haben, nicht vergleichbar. Die erste Umwälzung brachte die Einführung der Dampfmaschine. Mit der zweiten kam die Serienfertigung. Die dritte fand statt in den 80er- und 90er-Jahren mit dem Einzug von Computern in der Produktion: Wir leben in der Industrie 3.0 und erleben deren neue Version – von 3.1 zu 3.2 bis zu 3.x. Es handelt sich in Wahrheit bei 4.0 um einen evolutionären Prozess mit immer neuen Weiterentwicklungen der Industrie 3.0. Vielleicht sind wir jetzt bei Stufe 3.5. Maschinen steuern sich selbst bereits seit längerem. Zurzeit wird die Sensorik verbessert. Eine neue Qualität erleben wir beim Informationsmanagement, das durch neue Hochleistungsrechner immer umfassender wird. Das wird den Menschen nicht ersetzen, der im Kontakt mit dem Kunden ermitteln muss, was dieser wirklich haben will.

Industrie 4.0 verbinden viele auch mit intelligenten Maschinen, die Menschen die Arbeit wegnehmen. Sehen Sie das für Ihren Standort in Troisdorf?

Nein! Wir werden die Mannstärke in unserer Fertigung nach allem, was man bis jetzt absehen kann, halten.

Das bringt uns noch einmal zurück zur Krise 2008/2009. Sie mussten seinerzeit die Entlassung von 60 Mitarbeitern verkünden und haben Kurzarbeit gefahren. Auch heute stecken in Europa einige Länder tief in der Krise, und der VDMA warnt vor der Kulisse des Brexits vor Einbrüchen. Mit welchen Gefühlen blicken Sie auf das Jahr 2017?

Ich kann die Befürchtungen wegen des Brexits nicht nachvollziehen. Großbritannien ist für uns als Maschinenbauer kein wichtiger Absatzmarkt mehr. Es gibt nur noch wenig industrielle Wertschöpfung dort. Insofern sind die Folgen des Brexits für uns überschaubar. Ich meine, wir werden auch im nächsten Jahr weiter auf einem Hochplateau verharren. Natürlich beobachten wir unsere wichtigen Märkte. China wächst nicht mehr so wie früher. Und auch in Russland war die Lage schon besser, zieht aber wieder an. Auch  der Markt in Frankreich, Italien und Spanien bewegt sich wieder. Die Nachfrage aus den USA ist unglaublich stark! Das hat mit der Reindustrialisierungsstrategie des jetzigen Präsidenten zu tun – und auch mit der in den USA boomenden Ölproduktion aus Ölschiefer. Die Amerikaner werden wieder Nettoexporteure von Öl und Gas. Das hilft auch der Kunststoffindustrie dort. Zudem kommen auch die Pazifik-Staaten in Süd- und Mittelamerika sowie Indien gerade sehr stark.

Sie schauen optimistisch in die Zukunft – doch kam nicht auch die  Weltwirtschaftskrise 2008/2009 für viele sehr plötzlich?

Das galt auch für uns. Wir haben seinerzeit das Projekt R30 auf den Weg gebracht, weil wir mit einem Auftragsrückgang um 30 Prozent rechneten. Tatsächlich sank das Auftragsvolumen auf 30 Prozent des Vorjahresniveaus. Das fühlte sich böse an! Wochenlang hatten wir den Eindruck: „Es ruft keiner mehr an!“ Es gab auch in dieser Zeit noch Arbeit, da wir Lieferzeiten von sieben, acht und neun Monaten haben. Das Instrument der Kurzarbeit in dieser Krisensituation war für uns und unsere Belegschaft in dieser Zeit sehr hilfreich. Hier hat sich der Staat – namentlich die Regierung Merkel-Steinbrück – erstmals wirklich verdient um unser Unternehmen und die Arbeitsplätze hier gemacht! Die Politik hat in diesem Fall aktiv und unbürokratisch geholfen. Das hatte zur Folge, dass wir in dieser schweren Krisenzeit keinen einzigen Spezialisten verloren haben, die Kapazitäten halten und nach dem Abflauen der Krise sofort wieder durchstarten konnten.

Sie haben bereits 2011 wieder einen Rekordumsatz von 450 Millionen Euro vermeldet.

Das Krisenmanagement der Bundesregierung war das Bungee-Seil, das uns nach anderthalb Jahren freien Falls auf rund 130 Prozent des Vorkrisen-Auftragseingangs katapultiert hat. Wir hatten in der Krise wie die meisten solide geführten Familienunternehmen zudem den Vorteil, dass wir nicht am Fliegenfänger der Banken hingen. Die können in solchen Situationen auch ganz schnell loslassen.

Warum ist das so?

Weil sie es aufgrund des Regelwerks nicht mehr anders können! Wir haben bei Reifenhäuser auch in den 90er-Jahren eine große Krise erlebt. Ein Bankdirektor in Bonn sagte uns damals: „Sie leben derzeit in schlechten Zeiten.“ Das geht heute so nicht mehr. Basel ist eine Ursache dafür. Eine andere: In den Frankfurter Banktürmen entscheiden heute Großcomputer, ob es weitergeht oder nicht. Da spielen Ratings und Kreditwürdigkeit die entscheidende Rolle – und nicht in erster Linie ein über Jahre hinweg gewachsenes Vertrauen. Das ist mir als Familienunternehmer sehr wichtig.

Interview: Leonie Schneider-Kuttig, Carsten Seim

Ulrich Reifenhäuser im Gespräch mit Carsten Seim und Leonie Schneider-Kuttig

pro Troisdorf-Fact Sheet zum Unternehmerfrühstück am 25. Oktober 2016

Position: Die Reifenhäuser GmbH & Co. KG Maschinenfabrik ist nach Umsatz und Technologie weltweit führender Anbieter von Maschinen für die Kunststoffindustrie. Familie & Führung: Gegründet 1911 durch Anton Reifenhäuser wird das zu 100 Prozent im Familienbesitz befindliche Unternehmen in dritter Generation durch die Brüder Bernd Reifenhäuser (CEO), Klaus Reifenhäuser (Sustainability) und Ulrich Reifenhäuser (Sales). Weitere Mitglieder der Geschäftsführung sind Dr. Bernd Kunze (CTO) und Karsten Kratz (CFO).

Standorte: Das Unternehmen hat seinen Stammsitz in Troisdorf. Mehr als 900 der insgesamt 1500 Beschäftigten der Reifenhäuser Gruppe arbeiten hier. Seit 1959 ist es im Ortsteil Sieglar ansässig: 120 000 Quadratmeter Grundstück, davon fast zwei Drittel Hallen- und Bürofläche. Weitere Standorte in Deutschland: Lampertheim, Worms, Troisdorf- Bergheim. Fertigungsstätten in USA und Italien sowie internationale Niederlassungen in Chile, VR China, Dänemark, Indien, Italien, Philippinen, Russland, Singapur, USA und Vietnam. Hinzu kommen noch rund 60 Vertretungen weltweit.

Umsatzentwicklung: In der ersten Hälfte der 90er-Jahre erzielte Reifenhäuser einen Jahresumsatz von rund 200 Millionen DM. Im Jahr 2011 – kurz nach der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise – meldete man einen „Rekordumsatz“ von 450 Millionen Euro. 2015 wurden rund 500 Millionen Euro Gruppenumsatz erwirtschaftet. 95 Prozent der Wertschöpfung werden nach Angaben der Geschäftsführung in Deutschland erzielt.

Geschäftsfelder: ursprünglich Bauschlosserei. Nach dem 2. Weltkrieg Beginn des Baus von Schneckenpressen (Extrudern). Heute: Entwicklung und Herstellung von Maschinenanlagen für die Produktion von Blasfolien, Gießfolien, Glättwerksfolien, Vliesstoffen, Monofilamenten (Garne aus Kunststoff) und Verpackungsbändern.

Struktur: Die Reifenhäuser Gruppe ist eine GmbH & Co. KG mit sechs Business-Units.

  • Reifenhäuser Blown Film (3- bis 11-Schicht Blasfolienanlagen) (Reifenhäuser Blown Film Polyrema)
  • Reifenhäuser Cast Sheet Coating (Gießfolienanlagen, Glättwerksanlagen, Beschichtungsanlagen und Extruder)
  • Reifenhäuser Reicofil (Spinnvlies, Meltblown- und Compositeanlagen zur Herstellung von Vliesstoffen)
  • Reiloy Metall (hochverschleißfeste Schnecken und Zylinder bis 9 Meter Länge)
  • Reimotec (Verpackungsband-, Bändchen- und Monofilamentanlagen)
  • Enka Tecnica (Spinndüsen und Mikrokomponenten)

Carsten Seim

Carsten Seim, Redaktionsbüro avaris | konzept

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