Mehr Chancengerechtigkeit – eine Studie zur frühkindlichen Förderung

Frühkindliche Förderung in der Kita ist aus Sicht von Erziehungswissenschaftlern essenziell für den späteren Bildungserfolg, der Voraussetzung für einen erfolgreichen Berufseinstieg ist. Gerade für Kinder aus bildungsfernen Schichten ist sie eine wichtige Voraussetzung für Chancengerechtigkeit. Ein Projekt dazu hatte ich im Rahmen meiner Arbeit als Redaktionsleiter der von den Verbänden der Metall- und Elektroindustrie getragenen Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft angestoßen. Professor Axel Plünnecke hatte ich bei einem informellen Gespräch im Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) gefragt, ob man den Effekt der eingesetzten Mittel für eine bessere und kostenlose, damit auch für alle Schichten zugängliche, vorschulische Betreuung ab dem 4. Lebensjahr berechnen könne. Er konnte. Das Ergebnis legten wir im Dezember 2006 in Berlin vor.

Danach zahlen sich „Investitionen in kostenlose Kindergartenplätze für Kinder zwischen drei und sechs Jahren … aus“. Der zusätzliche Finanzbedarf von rund 3,6 Milliarden Euro für die flächendeckende Bereitstellung kostenloser Halbtagsplätze inklusive höherer Aufwendungen für besser qualifizierteres Betreungspersonal sei „langfristig voll zu kompensieren“. So formulierte es die Zeitschrift ELTERN, die über die Berechnungen dieser Studie berichtete.

Weil durch ein kostenloses halbtägiges Angebot mehr Kinder vorschulische Bildung erfahren und zudem die Qualität der Kindergärten steigt, fallen künftig deutlich weniger Kosten für teure Nachschulungen wie berufsvorbereitende Maßnahmen oder außerschulische Berufsbildung an. Die Entlastung bezifferte Studienautor Professor Plünnecke auf mindestens 1 Milliarde Euro jährlich. Dank besserer Betreuungs-Infrastruktur sei außerdem mit einer steigenden Frauenerwerbstätigkeit zu rechnen – und entsprechend mit steigenden Steuereinnahmen. Darüber hinaus werde durch bessere Qualifizierung die Jugenderwerbstätigkeit zunehmen. Auch daraus ergäben sich, so die Studie, positive steuerliche Effekte. Durch eine Herabsetzung des Einschulungsalters um ein Jahr könnte der Staat schließlich etwa 2,9 Milliarden Euro p. a. einsparen.

Die Studie sollte Politik ermutigen, die Voraussetzungen für frühkindliche Förderung weiter zu verbessern – im Interesse der Chancengerechtigkeit. Studienautor Professor Axel Plünnecke führt dazu in der Studie aus: „Besonders früh geschaffene Bildungschancen haben positive Effekte auf Migrantenkinder und Kinder aus sonstigen bildungsferneren Schichten.“ Und: „Defizite, die in frühen Jahren entstehen, können später nur mit deutlich höherem Aufwand ausgeglichen werden.“

Die ganze Studie zur Kindergartenfinanzierung finden Sie hier zum Download. Update 2008:

Ein weiteres meiner in diesem Kontext interessantes Projekt war der Kindergartenmonitor. Eine Pressemeldung finden Sie hier. Die IW Consult, ein Tochterunternehmen des IW Köln, verglich dabei die Kindergartengebühren in 100 deutschen Städten. Das Ziel: Kostentransparenz. Das gefiel nicht jedem in diesem Vergleich. In ihrem Bericht zitiert die taz den damaligen Projektverantwortlichen Carsten Seim.

Zur Seite des Kindergartengebührenvergleichs geht es hier.

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Carsten Seim

Carsten Seim, Redaktionsbüro avaris | konzept

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