Rezensiert: Worthupferl über die Liebe zum Leben

worthupferl_KarlHeinz-KariusBereits auf Seite 3 warnt der Autor KarlHeinz Karius seine Leser, dass schon sehen werde, was er davon habe, wer das vorgelegte Buch „leichtfertig oder böswillig ganzheitlich oder partiell“ kritisiert. Nun ja … Wir wagen uns dennoch an eine Buchbeschreibung, um das Wort „Kritik“ gar nicht erst in die Tastatur zu tippen. Jetzt ist es doch passiert! „Worthupferl“, so nennt KarlHeinz Karius badisch weich seine Aphorismen. Unter der Überschrift „Liebe das Leben – und die Zukunft umarmt Dich!“ legt er nun die dritte gebundene Auflage vor. Das Pathos des Buchtitels dämpft der Autor selbst 15 Seiten weiter in der Rubrik „Preiswert philosophisch“, ohne dabei seine Linie zu verlieren. Zum Beispiel mit einem trockenen „Nichts tarnt sich so geschickt als Schwierigkeit wie eine Chance.“  Karius ist ein Nach-vorn-Gucker ohne immer vorneweg sein zu wollen. Seine Liebe zum Leben kommt auch in diesem Spruch zum Vorschein: „Für die perfekte 5-Tage-Woche streiche einfach gestern und morgen aus dem Kalender.“

 

Zu meinen „preiswert-philosophischen“ Favoriten aus dem Buch zählt: „Um sich nicht zu ändern, muss man dumm sein. Oder Gott.“

Im Kapital „Definitiv daneben“ zieht KarlHeinz Karius die Polemik-Skala an. „Theoretiker. Verbale Luftgitarren-Spieler.“  Ein wenig später begegnet dem Leser eine weitere Interpretation desselben Begriffs: „Nicht-Schwimmer mit Taucher-Uhr.“

Ist das eine Anspielung auf die Träger opulenter „Submariner“ unter den Besserverdienern oder solchen, die gern so scheinen möchten?  Bis 300 Meter wasserdicht. Wofür braucht man das eigentlich am grünen Tisch? (Eine schöne Uhr ist es natürlich allemal, und sie wird natürlich nicht nur von „Theoretikern“ getragen).

Auch in der Rubrik „Definitiv daneben“ bleibt Karius – auf Umwegen – Optimist, wenn er den Begriff „Leidartikel“ als journalistischen Beitrag zur Wirtschaftskrise bezeichnet.

Wer sich im aktuellen Aufschwung noch an Schlagzeilen wie „Schwärzester März seit 1928“ erinnert (ja, das stand seinerzeit in einem etablierten Wirtschaftstitel ganz ohne BILD), der kann ermessen, was Optimist Karius mit dem Wort „Leidartikel“ meint.

In der Medien-Kommentierung der zurückliegenden Krise war ganz sicher auch einiges „definitiv daneben“, um in der Diktion des Autors zu bleiben. Zudem sei hier angemerkt, dass man schwarz nicht steigern kann – auch nicht in Schlagzeilen.

Karius ist Seniorchef der Leonberger Werbeagentur Karius & Partner. Jahrzehnte Erfahrung in der Kommunikation und Werbung sprechen aus der Kreation „Meeting: Businessclass für Langeweile.“ Ebenso aus seiner Begriffserklärung für Public Relations: „Charisma-Leasing.“

KarlHeinz Karius, Illustration aus seinem Satire-Band
KarlHeinz Karius, Illustration aus seinem Satire-Band

Nicht jedem ist Charisma gegeben. Und manche glauben, sich das mieten zu können. In Talkshows sorgt das gelegentlich für gleichförmiges Auftreten, wenn mehrere Charisma-Leasingnehmer in einer Sendung gleichzeitig das Beigebrachte präsentieren wollen.

Definitiv daneben? Karius hupferlt unverdrossen weiter: „Alter Ego: Auch ohne Lateinkenntnisse erschließt sich sprachlich sofort der Sinn, wenn Du in den Spiegel schaust.“

Man muss sich trauen, so etwas zu schreiben. Aber es ist lustig, das zu lesen. Und es produziert Bilder im eigenen Kopf: Fast ein jeder hat sich morgens schon einmal selbst nicht sehen wollen.

„Partiell  professionell“ nennt Karius ein weiteres Kapitel seiner gebundenen Wort-Hopser. Ein Beispiel: „Um bei einer Chance sofort zupacken zu können, darf man nie die Arme verschränken.“

Ein anderes Exempel statuiert Karius mit dieser Schöpfung: „Er war durch seine erfolgreiche Tätigkeit als Konzern-Manager  so geübt darin, mit großer emotionaler Disziplin engagiert Aktivität zu simulieren, dass er lange Zeit nach seinem Ableben noch als scheintot durchging.“

Wer sich hier wohl angesprochen fühlt? Der Genießer schweigt – vor allem über Namen.

Fast nahtlos schließt sich dieses Sätzchen an: „Ohne Know-why und Know-who ist Know-how bestenfalls „Know-half.“ Diese Wahrheit hat ohne An- und Abführung 63 Zeichen.

Die Worthupferl aus dem Südwesten sind älter als der Mikro-Blogging-Hype. Als 140 Zeichen-Nachrichten noch vom Telegrammboten gebracht wurden, dachte KarlHeinz-Karius bereits im Twitter-Format.

Nun twittert er selber (http://twitter.com/KarlHeinzKarius) und beglückt auch im www mit seinen Telegramm-Weisheiten. Genussvoller bleibt es jedoch, sie in seinem kleinen Büchlein nachzulesen.

„Poetisch problematisch“ – damit verabschiedet Karius seine Leser und enttäuscht nicht, was die Kapitel-Überschrift angeht, wenn er reimt: „ … Wenn´s schneit, wird’s weiß. Früher war´s weißer …. Gott strafe sie, all die Klugscheißer. Lasst uns das von Herzen hoffen. Ob er sie alle kriegt, bleibt offen …“

Vor diesem Hintergrund unterbleibt hier jede weitere Bewertung des Büchleins. Nur so viel: Es schafft spaßige (Selbst-) Einsichten, durch die 107 Seiten zu blättern.

Ausgenommen natürlich die Klugscheißer-Poesie, meine Damen und Herren!

Carsten Seim, im Januar 2011

In leicht gekürzter Form ist dieser Artikel auf www.amazon.de erschienen.

Carsten Seim

Carsten Seim, Redaktionsbüro avaris | konzept

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