Der Buchstabe W und die deutsche Konjunktur: wie auch Positivzahlen zu neuen Warnungen führen können

Im Trend: Konjunkturkurven als Buchstaben
Im Trend: Konjunkturkurven als Buchstaben

Was wissen wir über das W? Der Buchstabe kommt an 23. Stelle im Alphabet und wird in deutschen Texten üblicherweise mit einer Häufigkeit kleiner als zwei Prozent verwendet: Das könnte sich in nächster Zeit ändern. Denn die Kommentatoren haben den W-förmigen Konjunkturverlauf entdeckt.

Die Auftragseingänge der deutschen Industrie nehmen zu, nach Quartalen sinkender Wirtschaftsleistung fängt sich das BIP offenbar wieder. Jetzt, wo das Ende der Talfahrt erst einmal erreicht zu sein scheint, will man wenigstens rechtzeitig gewarnt haben: Es könnte wieder abwärts gehen.

  • wenn zum Jahresende die Arbeitslosenzahl wieder auf vier Millionen gestiegen ist.
  • wenn die Banken weitere toxische Papiere abschreiben müssen.
  • wenn die Autoindustrie nicht länger von der Abwrackprämie profitieren kann.
  • wenn die Weltkonjunktur weiter schwächelt, weil zum Beispiel die Amerikaner zum Angstsparen übergehen, statt weiter ungehemmt und über ihre Verhältnisse zu konsumieren.
  • wenn der Wert der von den Chinesen gehorteten Dollarberge weiter verfällt.

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Konjunkturkurven: noch mehr Buchstaben: Das W, das U, das V, das Doppel W – oder geht das BIP gar baden?

Über die neue Hochkonjunktur des Buchstabens W in Wirtschaftskommentaren ist auf dieser  bereits geschrieben worden. Benedikt Fuest, Wirtschaftsredakteur beim Rheinischen Merkur, hat sich des Themas ebenfalls angenommen. Zitat:

  • In der größten Wirtschaftskrise seit 1949 ist es manchmal schwierig, die Entwicklung in Worte zu fassen. „Leider wird die Krise nicht die Form eines V haben“, versuchte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel unlängst in der Beschreibung von Konjunkturkurven. Sie erwarte vielmehr „die Form einer Badewanne“. Damit fasste Merkel die Bedenken der Konjunkturforscher zusammen, dass nach dem tiefen Fall Anfang des Jahres eine längere Phase der wirtschaftlichen Stagnation auf niedrigem Niveau folgen könnte, bevor es wieder aufwärts geht.“

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Forderung nach einem verantwortlichen Kapitalismus: Erinnerung an eine Rede von Lord Ralf Dahrendorf

Der frühere Bundesbankpräsident Professor Hans Tietmeyer mit Lord Ralf Dahrendorf und Carsten Seim
Der frühere Bundesbankpräsident Professor Hans Tietmeyer mit Lord Ralf Dahrendorf und Carsten Seim Foto: Nikola

Lord Ralf Dahrendorf, der große liberale europäische Vordenker, ist tot. Er starb am Mittwoch, 17. Juni, in Köln. Im Oktober 2004 hatte sich Dahrendorf, der als einer der wichtigsten Vertreter liberaler Gesellschafts- und Staatstheorie galt, in Berlin in einer Rede mit der Zukunft der Sozialen Marktwirtschaft auseinandergesetzt. Dahrendorf forderte dabei einen  verantwortlichen Kapitalismus („responsible capitalism). Seine Kritik an allzu kurzfristigem Profitdenken liest sich wie eine vorweggenommene Warnung vor Vorgehensweisen an den Finanzmärkten, die in die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise geführt haben. Dahrendorf beschäftigte sich darüber hinaus mit der Zukunft des sozialen Ausgleichs in der Sozialen Marktwirtschaft.  Historisch betrachtet sei dieses Wirtschafts- und Sozialsystem „nicht aus einem Guss“, sondern eine „Legierung“: Wer in Deutschland von Sozialer Marktwirtschaft spreche, meine im Regelfall „Ludwig Erhard plus katholische Soziallehre“ – für Dahrendorf ein „Programm der Unvereinbarkeiten, das die frühe CDU und CSU prägte und sie in gewissem Masse bis heute prägt“.

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Kommentar: Doch alles Krise?

„Trotz einer Flut negativer Meldungen zur konjunkturellen Entwicklung bleibt die Stimmung bei den Verbrauchern insgesamt nahezu unverändert“, schrieb die Gesellschaft für Konsumforschung am 26. März 2009 zur Veröffentlichung ihres  Konsumklimaindexes. Die Konjunktur- und Einkommenserwartungen seien „nach Zuwächsen im Vormonat jetzt zwar leicht rückläufig“. Die Anschaffungsneigung bleibe jedoch „auf gutem Niveau“. Mehrere Male in Folge hatte sich das Konsumklima in Deutschland zuvor verbessert.

Krisen-Headline vom 1. April 2009
Krisen-Headline vom 1. April 2009

Wenige Tage später, am 1. April 2009 (!), publizierte ein Wirtschaftsblatt die Schlagzeile: „Arbeitsmarkt droht zu kippen: Schwärzester März seit 1928“. Anlass für die alarmierende Headline war eine Veröffentlichung der Agentur für Arbeit. Danach sei erstmals seit 1928 die sonst übliche Frühjahrsbelebung am Arbeitsmarkt ausgeblieben. Die Schlagzeile „dreht“, wie es Medienleute sagen, die inflationären Meldungen über die angeblich schlimmste Rezession seit dem zweiten Weltkrieg „weiter“. An ihr zeigt sich einmal mehr die Problematik historischer Vergleiche, die sich aktuell durch die Krisenberichterstattung ziehen. Wie war die Lage im Deutschland von 1928 – 10 Jahre nach dem Ersten Weltkrieg?

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