Bizzares rund um Hammer & Sichel sowie den Mompel von Boblowitz

Rebers
Linke Alt-Sechziger, dumme Rechte, Walldorf-Schulen, Sozialpädagogen, Veganer, religiöse Fundamentalisten im Orient und Okzident sowie Peter Alexander und betuliche Ponyhof-Romantik hat der Kabarettist Andreas Rebers im Visier. Kurzbericht eines Kabarett-Abends im Düsseldorfer Kommödchen, 

Rebers baut eine Welt von bizarren Figuren auf – zum Beispiel seine fiktive Nachbarin, Frau Hammer, geborene Sichel. Er versteht sich auf das Framing, lässt mit seinen Anspielungen Bilder in den Köpfen der Zuschauer entstehen. Im Fall der Frau Hammer dürfte die Vorstellungskraft sicher in der Generation U35 enden, die die Sechziger-Jahre und deren Ausläufer nicht mehr erlebt hat.

Die Auseinandersetzung mit den dort entstandenen Tabus und Vorstellungen ist dennoch verdienstvoll, da viele aus der  Babyboomer-Generation nach der Studentenrevolte erfolgreich durch die Institutionen marschiert sind und bis heute das Personal der uns regierenden politischen Klasse oder auch in unseren Kindergärten und Schulen mit prägen. Für letztere Personengruppe zeichnet Rebers zum Beispiel das Szenario der Kitagruppe „Murmeltier“, in der den Kindern ideologisch eingebläut wird: „Teilen, teilen, teilen!“ Vermeintlich klassenlose Gesellschaft als frühkindliche Prägung.

Für alle Hammers, geborene Sichels, hämt er in gelber Warnweste mit dem Aufdruck „Helfer“ und einem Sticker „Ich helfe gern“ über eine bedenkenlose „Deutschland ist bunt“-Ideologie vor der Kulisse der aktuellen Ereignisse.

Als Prediger gegen religiöse Wahnvorstellungen entführte Reverend Rebers seine Zuhörer ins schlesische Boblowitz und propagiert eine fiktive Mischreligion, die Gemeinschaft der Bitocken: „Teilzeitjuden, Gelegenheitsmoslems, Ein-Euro-Christen“. Die haben auch ein Heiligtum – eine Mischung aus Moschee und Tempel. Es ist der „Mompel von Boblowitz“, den er in Zusammenarbeit mit der türkischen Architektin Sofia Hagia erbaut habe. Diese Kultstätte habe Minarette, in denen Rabbiner sitzen, die mit Gebetsteppichen winken und mangels Platz für Glocken „Bim-Bam“ rufen. Man feiere dort Abendmahl, führe aber auch „Mittagsmenüs“ und „Grillen“ durch. Das ist, wie er später hip-hoppend zum Groove von „Dr. Narkose“ erläutert, die „Boblowitzer Ökumene“. Er hat, das zeigt seine dadaistisch anmutenden Eloquenz, nur eine begrenzte Ader für Spiritualität gleich welcher Provenienz.

In einem Interview erklärte er dazu einmal: Ich bin allgemein religionskritisch, und das schließt den Islam mit ein, aber darum machen viele Leute einen Bogen. Viele finden es anscheinend besser, sich ewig über den Papst lustig zu machen …, aber wenn man sich diese eben genannten Gruppen vornimmt, wird das meist ganz schnell falsch verstanden. Weil wir immer noch eine politische „Korrektheit“ haben, die alles, was nicht zur Mehrheitsgesellschaft gehört, unter Naturschutz stellt. Via.

Offen legt er sich mit religiösem Extremisten an: „Der Islamist, der Islamist, der arme Wicht, die gute Laune kennt er nicht“, singt er zur eigenen Akkordeon-Begleitung und löst den Grund dafür auch gleich auf: weil Salafisten & Co. keine Volksmusik haben und deshalb gern Guerillakrieg führen würden. Nun denn, solche Plattheit fällt in Deutschland unter Satirefreiheit. Die meisten Zuhörer hatte er, der im Gesang dabei zwischenzeitlich in die Nuschelei von Hans Albers verfiel, lachend auf seiner Seite.

Als „Empörungsdienstleister“ im Kommödchen hatte Rebers ein Heimspiel. Das Publikum sah seine Verbal-Kanonade als „friendly fire“. An diesem Abend war man ringsum Charly.

Carsten Seim

Carsten Seim, Redaktionsbüro avaris | konzept

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