Konjunkturkurven: noch mehr Buchstaben: Das W, das U, das V, das Doppel W – oder geht das BIP gar baden?

Über die neue Hochkonjunktur des Buchstabens W in Wirtschaftskommentaren ist auf dieser  bereits geschrieben worden. Benedikt Fuest, Wirtschaftsredakteur beim Rheinischen Merkur, hat sich des Themas ebenfalls angenommen. Zitat:

  • In der größten Wirtschaftskrise seit 1949 ist es manchmal schwierig, die Entwicklung in Worte zu fassen. „Leider wird die Krise nicht die Form eines V haben“, versuchte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel unlängst in der Beschreibung von Konjunkturkurven. Sie erwarte vielmehr „die Form einer Badewanne“. Damit fasste Merkel die Bedenken der Konjunkturforscher zusammen, dass nach dem tiefen Fall Anfang des Jahres eine längere Phase der wirtschaftlichen Stagnation auf niedrigem Niveau folgen könnte, bevor es wieder aufwärts geht.“

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Forderung nach einem verantwortlichen Kapitalismus: Erinnerung an eine Rede von Lord Ralf Dahrendorf

Der frühere Bundesbankpräsident Professor Hans Tietmeyer mit Lord Ralf Dahrendorf und Carsten Seim
Der frühere Bundesbankpräsident Professor Hans Tietmeyer mit Lord Ralf Dahrendorf und Carsten Seim Foto: Nikola

Lord Ralf Dahrendorf, der große liberale europäische Vordenker, ist tot. Er starb am Mittwoch, 17. Juni, in Köln. Im Oktober 2004 hatte sich Dahrendorf, der als einer der wichtigsten Vertreter liberaler Gesellschafts- und Staatstheorie galt, in Berlin in einer Rede mit der Zukunft der Sozialen Marktwirtschaft auseinandergesetzt. Dahrendorf forderte dabei einen  verantwortlichen Kapitalismus („responsible capitalism). Seine Kritik an allzu kurzfristigem Profitdenken liest sich wie eine vorweggenommene Warnung vor Vorgehensweisen an den Finanzmärkten, die in die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise geführt haben. Dahrendorf beschäftigte sich darüber hinaus mit der Zukunft des sozialen Ausgleichs in der Sozialen Marktwirtschaft.  Historisch betrachtet sei dieses Wirtschafts- und Sozialsystem „nicht aus einem Guss“, sondern eine „Legierung“: Wer in Deutschland von Sozialer Marktwirtschaft spreche, meine im Regelfall „Ludwig Erhard plus katholische Soziallehre“ – für Dahrendorf ein „Programm der Unvereinbarkeiten, das die frühe CDU und CSU prägte und sie in gewissem Masse bis heute prägt“.

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Merkels erster Mann im Kanzleramt und seine Lektion in Sachen Krisenmanagement

Thomas de Maizière – damals noch Kanzleramtsminister – bei der CDU-Mittelstandsvereinigung Sankt Augustin – Ortstermin in der Niederpleiser Mühle am 16. April 2009: Auf Einladung der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung (MIT) Sankt Augustin der CDU gab de Maizière einen Einblick in das Krisenmanagement der Bundesregierung.

„Ich zögere ein wenig zu sagen, dass es die tiefste Rezession seit Gründung der Bundesrepublik ist.“ Mit diesen Worten leitete Thomas de Maizière seinen Vortrag ein und verwies auf die Nachwendezeit in den Neuen Bundesländern, deren Entwicklung er als politischer Akteur hautnah miterlebt hat. So war er unter anderem Mitglied der Verhandlungsdelegation für den Einigungsvertrag und bekleidete verschiedene Ministerämter in Sachsen. Dort, so de Maizière, sei der wirtschaftliche Einbruch wesentlich stärker gewesen als man es zurzeit in der Bundesrepublik insgesamt erlebe. Tief in Westen der Republik ein wichtiger Hinweis des erfahrenen Politik-Managers, der erkennbar um eine sachliche Debatte bemüht ist. Die aktuelle – gesamtdeutsche und weltweite – Krise sei allerdings sicher „mehr als eine normale Rezession“. Die Wirtschaft erleide zurzeit dramatische Auftragseinbrüche.

De Maizière ging dann auf das scheinbare Paradoxon ein, dass die allgemeine Stimmung und das Konsumklima trotz Ausnahmekrise immer noch vergleichsweise gut sind. „Es gibt Systeme der Binnenwirtschaft, die aktuell noch gar nicht betroffen sind.“ Mehr lesen

Kommentar: Doch alles Krise?

„Trotz einer Flut negativer Meldungen zur konjunkturellen Entwicklung bleibt die Stimmung bei den Verbrauchern insgesamt nahezu unverändert“, schrieb die Gesellschaft für Konsumforschung am 26. März 2009 zur Veröffentlichung ihres  Konsumklimaindexes. Die Konjunktur- und Einkommenserwartungen seien „nach Zuwächsen im Vormonat jetzt zwar leicht rückläufig“. Die Anschaffungsneigung bleibe jedoch „auf gutem Niveau“. Mehrere Male in Folge hatte sich das Konsumklima in Deutschland zuvor verbessert.

Krisen-Headline vom 1. April 2009
Krisen-Headline vom 1. April 2009

Wenige Tage später, am 1. April 2009 (!), publizierte ein Wirtschaftsblatt die Schlagzeile: „Arbeitsmarkt droht zu kippen: Schwärzester März seit 1928“. Anlass für die alarmierende Headline war eine Veröffentlichung der Agentur für Arbeit. Danach sei erstmals seit 1928 die sonst übliche Frühjahrsbelebung am Arbeitsmarkt ausgeblieben. Die Schlagzeile „dreht“, wie es Medienleute sagen, die inflationären Meldungen über die angeblich schlimmste Rezession seit dem zweiten Weltkrieg „weiter“. An ihr zeigt sich einmal mehr die Problematik historischer Vergleiche, die sich aktuell durch die Krisenberichterstattung ziehen. Wie war die Lage im Deutschland von 1928 – 10 Jahre nach dem Ersten Weltkrieg?

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Reformprojekt der deutschen Metallarbeitgeber

Von 2000 bis 2009 war ich als Redaktionsleiter, Sprecher und strategischer Berater für die von den Arbeitgeberverbänden der Metall- und Elektro-Industrie getragene Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft aktiv. Hier eine Übersicht von Presseinformationen aus diesem volkswirtschaftlich geprägten PR-Projekt. Sie spiegeln Rankings und Projekte wie zum Beispiel eine von mir initiierte von Professor Dr. Axel Plünnecke realisierte Studie zur frühkindlichen Bildung. In diesem Fall ging es mir um Chancengerechtigkeit für Kinder aus bildungsfernen Schichten.

Studie vergleicht erstmals bundesweit Kindergartengebühren

„Kindergärten in Deutschland – der Gebührenwahnsinn!“ So überschrieb Gruner + Jahr eine Presseinformation, die sich auf ein von mir geleitetes Projekt der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, INSM, bezieht. Wissenschaftler der IW Consult hatten im Auftrag der INSM für Beispielfamilien vergleichbare Zahlen erhoben, wie viel Kindergartengebühren in 100 deutschen Städten tatsächlich gezahlt werden. Da die Kommunen sehr unterschiedliche Gebührensatzungen und Berechnungsgrundlagen haben, sind ohne hoch komplexe Berechnungen keine Preisvergleiche möglich. Das änderte die Studie, die auf große Medienresonanz stieß. Großes Interesse fand auch eine Pressekonferenz der Zeitschrift ELTERN, die die Studie durch ihre Chefredakteurin Marie-Luise Lewicki vorstellen ließ. Sie beklagte eine „soziale Schieflage“: Zitat aus der Presseinformation von G+J:

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Mehr Chancengerechtigkeit – eine Studie zur frühkindlichen Förderung

Frühkindliche Förderung in der Kita ist aus Sicht von Erziehungswissenschaftlern essenziell für den späteren Bildungserfolg, der Voraussetzung für einen erfolgreichen Berufseinstieg ist. Gerade für Kinder aus bildungsfernen Schichten ist sie eine wichtige Voraussetzung für Chancengerechtigkeit. Ein Projekt dazu hatte ich im Rahmen meiner Arbeit als Redaktionsleiter der von den Verbänden der Metall- und Elektroindustrie getragenen Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft angestoßen. Professor Axel Plünnecke hatte ich bei einem informellen Gespräch im Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) gefragt, ob man den Effekt der eingesetzten Mittel für eine bessere und kostenlose, damit auch für alle Schichten zugängliche, vorschulische Betreuung ab dem 4. Lebensjahr berechnen könne. Er konnte. Das Ergebnis legten wir im Dezember 2006 in Berlin vor. Mehr lesen