Rautenberg-Interviews zur Bundestagswahl 2017: Martin Schulz

Martin Schulz im Gespräch mit der Verlegerfamilie Rautenberg-Otten und Carsten Seim. Foto: Carsten Seim
Martin Schulz im Gespräch mit der Verlegerfamilie Rautenberg-Otten und Carsten Seim

Martin Schulz, Kanzlerkandidat der SPD, traf sich in der Verlagszentrale von Rautenberg Media mit der Verlegerfamilie Rautenberg-Otten und Carsten Seim zu einem Gespräch über seine Gerechtigkeitskampagne und weitere Themen. Das Interview bewegte sich um die Frage, warum er mit einem an sich weithin positiv besetzten Begriff wie „Gerechtigkeit“ nicht stärker durchdringt und warum er die bessere Alternative zur amtierenden Bundeskanzlerin Angela Merkel wäre. Weitere Themen waren: Zuwanderung und nationale Egoismen in Europa, Steuern und Abgaben, Rentenpolitik und der Plan der Grünen, Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren zu verbieten. Schulz lehnt Fahrverbote „mit Blick auf unsere Kernindustrie“ ab. An dem Interview nahmen auch der MdB Sebastian Hartmann und der frühere Abgeordnete Uwe Göllner teil. Beide hatten den Schulz-Termin in Troisdorf ermöglicht. Rautenberg Media verbreitete das Gespräch bundesweit mit einer Leserreichweite von rund 3,5 Millionen.

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Schmidt Schnauze

Helmut Schmidt: Schmidt Schnauze. Ein cooler Deutscher, als cool noch nicht in aller Munde war. Ich hatte nie das Glück, ihm als Journalist begegnen zu dürfen. Einmal hatte ich Ben Wisch am Telefon, der zu seinem Inner Circle gehörte. Die Story dazu spielte in einem anderen Land. Rückblende:
In den 70ern war es bis in die Familien hinein eine ideologische Frage, wie lang man seine Haare tragen durfte. Jeder Zentimeter musste hart erkämpft werden. Es kommt einem heute absurd vor. „Mit der Heckenschere“ (Hans-Dieter Hüsch) wollten sie manche abschneiden lassen. Als Verteidigungsminister erließ Schmidt den Haarerlass, der es Bundeswehr-Soldaten zeitweise mit Haarnetz erlaubte, die Matte auch in Kampfmontur zu behalten. Ich war dank Krankenwagen-Zivildienst kein Nutznießer dieser Regelung. Aber es kennzeichnet eine Toleranz Schmidts, die seinerzeit wahrscheinlich mehrheitlich nicht geteilt wurde.
Frühe 70er-Jahre: Meine erste große Freiheit mit 16 als Sprachschüler in Großbritannien. Es war egal, wann ich nach Hause kam. Meine Hostmother war stets wach: Mrs. Zarecki, Witwe eines im Weltkrieg II-Einsatz in der britischen Luftwaffe aktiven tschechischen Jagdfliegers, schwärmte in ihrem Sessel am Kamin in nächtlichen Gesprächen von unserem Chancellor Schmidt. Der Hanseate hatte mit seiner Erscheinung und seinem internationalen Auftreten Eindruck gemacht in GB oder wenigstens an diesem Oxforder Kamin und allein dadurch schon viel für das Ansehen der damaligen Bundesrepublik getan.
Ich bin Schmidt später mittelbar in einem Lambsdorff-Interview und durch Lektüre des Wendepapiers begegnet. Ich kann nicht beurteilen, ob die Zeit für einen Wechsel damals reif war. Wenn ich mir Deutschland und die aktuellen Herausforderungen anschaue, vermisse ich einen Mann oder eine Frau seines Typs. Ich bewundere ihn.

Interview mit Christian von Stetten zur Debatte um ÖPP

19294_17_Von-StettenChristian von Stetten ist mittelstandspolitischer Sprecher der Unions-Fraktion. Seit 2002 ist der CDU-Politiker Mitglied im Deutschen Bundestag. Seit den 90er-Jahren ist er Unternehmer. In einem Interview für das Magazin des Baugewerbe-Verbandes Niedersachsen machte er deutlich, dass sich der unternehmerische Mittelstand auf eine Zunahme von öffentlich-privaten Partnerschaften einstellen müsse. Er widersprach auch vorangegangenen Äußerungen des niedersächsischen Finanzministers Jürgen Schneider. Dieser vertritt die Auffassung, dass ÖPP für den Staat teurer sei als öffentlich finanzierte Bauvorhaben. Von Stetten stellte sich hinter Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt und meint, dass ÖPP neue Chancen auch für den Mittelstand im Baugewerbe bringen werde.  Mehr lesen

#Seminar Berlin Dorotheenstraße

Carsten Seim - Berlin-SelfieDrei schöne Seminartage in Berlin liegen hinter mir. Zielgruppe: Büroleiter und Mitarbeiter von Abgeordneten im Deutschen Bundestag. Sehr interessierte Teilnehmer, engagierte Diskussionen – so wie man es sich als Dozent nur wünschen kann. Auf dem Weg zum Rückflug ins Rheinland mache ich dieses Foto in der Dorotheenstraße. Der Aufnahmeort liegt nur wenige Meter entfernt von jenem Gebäude, in dem Schabowski die Maueröffnung verkündet hat. Mit einem Kollegen habe ich dort über strategische Planung politischer Öffentlichkeitsarbeit referiert. Hätte mir einer 1988 gesagt, dass ich einmal an diesem Ort arbeiten würde, ich hätte ihn für verrückt erklärt …

Interview mit Vizekanzler Sigmar Gabriel und ifaa-Chef Sascha Stowasser: soziale Anerkennung der deutschen Industrie und Chancen 4.0

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Deutschland 2015, Deutschland 2020 – wo wachsen wir hin? Unter dieser Überschrift steht ein soeben erschienenes Interview, das ich mit Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel und dem Ingenieurwissenschaftler Prof. Dr.-Ing. Sascha Stowasser, Direktor des Instituts für angewandte Arbeitswissenschaft, ifaa, in Düsseldorf, geführt habe. “ In Deutschland bildet die Industrie in weit stärkerem Maße als in vergleichbaren Ländern die Basis für Wachstum, Wohlstand und Arbeitsplätze“, betonte Gabriel in diesem Gespräch. „International hat sich die deutsche Industrie mit qualitativ hochwertigen und innovativen Erzeugnissen über Jahrzehnte einen hervorragenden Ruf erarbeitet, der leider oft in Deutschland selbst vielen Menschen gar nicht bewusst ist.“ Weitere Themen dieses Interviews und Antworten der Gesprächsteilnehmer: Mehr lesen

Fachkräftemangel: Gabriel will neue Anreize für Ältere, länger im Beruf zu bleiben

„Wir müssen den Erfahrungsschatz der Älteren bestmöglich und solange wie möglich nutzen. Dazu braucht es Anreize für Ältere, damit sie ihre Berufstätigkeit fortsetzen und nicht frühzeitig in Rente gehen.“ Das erklärte der Vizekanzler in einem Interview mit der arbeitswissenschaftlichen Fachzeitschrift Betriebspraxis & Arbeitsforschung des Düsseldorfer Instituts für angewandte Arbeitswissenschaft, ifaa. Zur Pressemeldung. Mehr lesen

SPD-Fraktionsvorsitzender Thomas Oppermann: Mittel aus Solizuschlag auch für Westbundesländer

SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann | Foto:  Gerrit Sievert
SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann | Foto: Gerrit Sievert

„Unsere Verfassung verlangt aus guten Gründen, dass die Lebensverhältnisse in den Regionen gleichwertig sein sollen. Nach der Deutschen Einheit war es richtig, über den Solidaritätszuschlag für gleichwertige Lebensverhältnisse in Ostdeutschland zu sorgen. Inzwischen haben wir strukturschwache Regionen in ganz Deutschland. Deswegen plädiere ich dafür, die Mittel aus dem Solidaritätszuschlag nach 2019 im ganzen Land, also auch in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen, einzusetzen.“ Das erklärte Thomas Opppermann, Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion, in einem Interview mit dem Magazin des Baugewerbe-Verbandes Niedersachsen. Damit stellte er sich hinter entsprechende Vorstellungen der NRW-Landesregierung.

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Ramelow und das strategische Dilemma der SPD

Heftige Diskussionen in der bundesdeutschen Politik- und Medienöffentlichkeit: Das bürgerliche Lager empört sich, dass die Linkspartei Bodo Ramelows mithilfe der SPD die Macht in Thüringen übernimmt. Ein sozialdemokratischer Freund aus Berlin weist in #fb nicht minder aufgebracht darauf hin, dass nach dem Zusammenbruch der DDR zahlreiche „Blockflöten“ nahtlos zu demokratischen „Christen“ mutiert sind. Viele von ihnen machten Karriere im nun gesamtdeutschen Politikbetrieb. Darunter waren sicher auch welche, die zu DDR-Zeiten die Blockpartei als das geringere Übel gesehen haben, um sich in der Nische dem Zugriff der SED zu entziehen. Unabhängig davon ist aber auch wahr, dass diese Blockparteien am Tropf der DDR-Staatspartei hingen und deren Alleinherrschaft scheindemokratisch bemänteln sollten.

Deshalb war mir die Schwarz-Rot-Malerei der Kohl-Union in der Zeit des Übergangs und der Jahre danach schwer erträglich. Ich erinnere mich an ein vormals führendes Mitglied einer Blockpartei, das auf CDU-Seite im Bundestag saß, während der frühere Vorsitzende der PDS-Fraktion angehörte.

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